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M&A

Uber / Delivery Hero: M&A Analyse

Keine Anlageberatung. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen.

Zusammenfassung

Uber bietet 41,50 Euro je Aktie in bar für Delivery Hero und bewertet das Eigenkapital damit mit rund 13,0 Mrd. Euro. Laut Börsen-Zeitung [1] ist es der grösste Tech-Deal im deutschsprachigen Raum der letzten zehn Jahre.

1. Deal Overview

Uber übernimmt Delivery Hero SE (Berlin) über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in bar. Die Annahmefrist endet am 5. November 2026, der Vollzug wird für das zweite Halbjahr 2027 erwartet.

PunktDetail
Angebotspreis41,50 Euro je Aktie in bar. Eigenkapital 14,8 Mrd. USD (ca. 13,0 Mrd. Euro) bei 314 Mio. voll verwässerten Aktien, 13,7 Mrd. USD nach Abzug der günstiger erworbenen Uber-Beteiligung (Uber-Präsentation [2])
Prämieca. 108 Prozent auf den Schlusskurs vom 8. Mai 2026, ca. 127 Prozent auf den Dreimonats-VWAP bis zu diesem Tag (Angebotsmitteilung [3])
Mindestannahme50 Prozent plus eine Aktie, inklusive der bereits von Uber gehaltenen Aktien, ohne eigene Aktien von Delivery Hero
Beteiligung Uber24,77 Prozent der Stimmrechte direkt, 11,74 Prozent über Derivate. Prosus hat die Annahme für 16,68 Prozent unwiderruflich zugesagt. Zusammen rund 53 Prozent wirtschaftlich
BedingungenFusionskontrollrechtliche und weitere behördliche Freigaben. Nach Medienberichten [4] braucht es die EU-Kommission sowie Freigaben in Jordanien, Saudi-Arabien, den Emiraten und Argentinien
Verkauf an SSW Partners14 Märkte für rund 1,6 Mrd. USD (ca. 1,4 Mrd. Euro) mit rund 11 Mrd. USD Gross Bookings. Separate Transaktion, aber der Vollzug setzt den Vollzug des Uber-Angebots voraus. Uber leiht SSW den Grossteil des Kaufpreises
FinanzierungVorhandene Barmittel und neue Schulden. Zugesagte Brückenfinanzierung von rund 14 Mrd. Euro, Refinanzierung vor Vollzug. Bruttoverschuldung soll unter 2x bleiben, Investment-Grade-Rating soll erhalten bleiben
Zusagen an DeutschlandKein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag für drei Jahre. Investitionen von 2 Mrd. Euro in Deutschland bis 2031, im Rahmen wirtschaftlich vertretbarer Anstrengungen (Börsen-Zeitung [5])
VertragsstrafeUber muss 700 Mio. Euro zahlen, falls der Deal an kartellrechtlichen Auflagen scheitert, das sind rund 5,3 Prozent des Eigenkapitalwerts (Börsen-Zeitung [5])
Berater UberMorgan Stanley, Deutsche Bank, Freshfields (Börsen-Zeitung [5])
Haltung des ManagementsVorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero unterstützen das Angebot und empfehlen die Annahme

Zeitplan

DatumEreignis
23. Mai 2026Delivery Hero bestätigt ein indikatives Angebot von Uber über 33 Euro je Aktie (Ad hoc [6])
14. Juli 2026Delivery Hero bestätigt fortgeschrittene Gespräche (Ad hoc [7])
16. Juli 2026Ankündigung des Angebots zu 41,50 Euro und des Verkaufs an SSW Partners
27. August 2026BaFin gibt die Angebotsunterlage frei, die Annahmefrist beginnt. Am selben Tag legt Delivery Hero Halbjahreszahlen vor
5. November 2026Ende der Annahmefrist
2. Halbjahr 2027Erwarteter Vollzug nach der Fusionskontrolle

Die beiden Unternehmen

Uber erzielte 2025 ein bereinigtes EBITDA von 8,73 Mrd. USD. Zusammen mit Delivery Hero kommt die Gruppe pro forma auf 236 Mrd. USD Gross Bookings in 99 Märkten.

Delivery Hero ist ein Lieferplattform-Konzern mit Marken wie Talabat, foodpanda, PedidosYa und Glovo in rund 65 Ländern. Im ersten Halbjahr 2026 lag der GMV bei 25,7 Mrd. Euro, der Umsatz bei 7,8 Mrd. Euro und das bereinigte EBITDA bei 427 Mio. Euro. Der Free Cash Flow vor Sondereffekten betrug 348 Mio. Euro, er soll sich nach Angaben des Unternehmens in der zweiten Jahreshälfte wegen Working-Capital-Effekten umkehren (Quartr [8], Delivery-Hero-Mitteilung [9]). Die Prognose für 2026 wurde angehoben: bereinigtes EBITDA von 960 Mio. bis 1,0 Mrd. Euro, GMV-Wachstum von 9 bis 11 Prozent.

2. Strategic Rationale

Uber kauft vor allem Märkte, in denen Uber Eats schwach ist, und will dort Mobilität und Lieferdienst auf einer Plattform verbinden. Die Uber-Präsentation [2] nennt vier Argumente:

  1. Technologie: Ubers Marktplatz-Technologie, Uber One und das operative Know-how sollen auf Delivery Hero angewendet werden.
  2. Ergänzende Präsenz: Die Zahl der Märkte steigt von 79 auf 99, die Zahl der Märkte mit Mobilität und Lieferdienst von 34 auf 58.
  3. Cross-Platform-Potenzial: Uber rechnet mit über 35 Mio. Delivery-Hero-Nutzern und über 15 Mio. Mobility-Nutzern in neuen Cross-Platform-Märkten. Nutzer beider Angebote erzeugen laut Uber das Dreifache an Gross Bookings und kosten in der Gewinnung über 50 Prozent weniger als bezahlte Kanäle.
  4. Synergien: Mehr als 1,2 Mrd. USD pro Jahr innerhalb von 18 Monaten nach Vollzug. Uber erwartet, dass der Deal sofort positiv auf das Non-GAAP-EPS wirkt, mit hoher einstelliger prozentualer Steigerung im dritten Jahr.

Als Beispiel nennt Uber den Nahen Osten: Uber und Talabat haben dort je rund 8 Mio. monatlich aktive Nutzer und je rund 7 Prozent bereinigte EBITDA-Marge.

Warum der Verkauf an SSW Partners?

In vier EU-Märkten (Polen, Portugal, Spanien, Schweden) überschneiden sich Uber und Delivery Hero (BigGo [10]). Im Verfahren zur Übernahme von Just Eat durch Prosus kam Uber Eats nach Medienberichten [4] auf 20 bis 30 Prozent Marktanteil, Delivery Hero mit Glovo auf 50 bis 60 Prozent. Der Verkauf der 14 Märkte vor dem Angebot soll diese Überschneidungen ausräumen.

Warum jetzt?

Prosus muss seine Beteiligung an Delivery Hero wegen Auflagen der EU-Kommission aus der Just-Eat-Übernahme senken und hat bereits 4,5 Prozent an Uber verkauft (Verdict [11]). Für Prosus ist die Annahme des Angebots der naheliegende Ausstieg.

Die Logik ist bei der geografischen Ergänzung am stärksten, weil Delivery Hero in Nahost, Asien und Lateinamerika stark ist. Schwächer belegt sind die Synergien. Uber nennt die Summe, aber keine Aufteilung in Kosten und Umsatz. Zudem darf Uber drei Jahre lang keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschliessen, was die direkte Steuerung von Delivery Hero einschränken dürfte. Ob 1,2 Mrd. USD in 18 Monaten realistisch sind, sollte in der Angebotsunterlage geprüft werden.

3. Valuation

Der Preis ist im Vergleich zu früheren Lieferdienst-Deals hoch: Der implizite EV/EBITDA liegt bei rund 17x, die Prämie je nach Referenz zwischen 34 und 127 Prozent. Alle Werte beruhen auf öffentlichen Daten und sind eine externe Einschätzung, keine Rekonstruktion interner Zahlen.

Prämie je nach Referenzkurs

ReferenzKurs in EuroPrämie des Angebots
Schlusskurs 8. Mai 2026 (vor den Gerüchten)ca. 19,95ca. 108 Prozent
Dreimonats-VWAP bis 8. Mai 2026ca. 18,28ca. 127 Prozent
Dreimonatsdurchschnitt vor der Ankündigung am 16. Juli 2026ca. 30,97ca. 34 Prozent
Aktueller Kurs am 12. Oktober 202636,8512,6 Prozent

Die Prämien stammen aus der Angebotsmitteilung [3] und der Börsen-Zeitung [1]. Die Kurse sind daraus zurückgerechnet und daher gerundet. Der aktuelle Kurs ist der Stand vom 12. Oktober 2026 laut FinanzNachrichten.

Implizite Multiples (eigene Rechnung, gerundet)

KennzahlWertBasis
Eigenkapitalwert13,0 Mrd. Euro41,50 Euro mal 314 Mio. voll verwässerte Aktien
Überleitung zum Unternehmenswert3,7 Mrd. Euro4,2 Mrd. USD Nettoverschuldung und weitere Posten laut Uber, zu 1,14 umgerechnet
Unternehmenswert (EV)ca. 16,7 Mrd. EuroSumme der beiden Zeilen
EV / bereinigtes EBITDA 2025ca. 18,5x903 Mio. Euro (Delivery Hero Call [12])
EV / bereinigtes EBITDA 2026Eca. 17,1xMitte der Prognose, 980 Mio. Euro
EV / GMV 2025ca. 0,45x42 Mrd. USD Gross Bookings, zu 1,12 umgerechnet
EV / EBITDA 2027E laut Uberca. 8xinklusive bestehender Beteiligung und über 1,2 Mrd. USD Synergien

Die EBITDA-Definitionen unterscheiden sich: Delivery Hero berichtet nach IFRS mit eigener Bereinigung, Uber rechnet nach US-GAAP. Die Werte sind daher nur näherungsweise vergleichbar.

Vergleichstransaktionen

DealAnkündigungEigenkapitalwertPrämieEV / EBITDA
Uber / Delivery HeroJuli 202613,0 Mrd. Euro108 Prozent auf den Kurs vor den Gerüchten, 127 Prozent auf den Dreimonats-VWAPca. 17x (2026E, eigene Rechnung)
DoorDash / Deliveroo [13]Mai 20252,9 Mrd. GBP (EV 2,4 Mrd. GBP)44 Prozent auf den Kurs vor der Offerte, 40 Prozent auf den Dreimonats-VWAP13,4x (2025E)
Prosus / Just Eat Takeaway [14]Februar 20254,1 Mrd. Euro63 Prozent auf den Schlusskurs, 49 Prozent auf den Dreimonats-VWAPnicht ermittelt

Einordnung

Der Spread zum Angebot

Der Kurs liegt mit 36,85 Euro rund 11 Prozent unter dem Angebot. Bis zu einem Vollzug im Oktober 2027 entspricht das einer einfachen Rendite von rund 13 Prozent pro Jahr. Als Illustration: Bei einem angenommenen Kurs von 20 bis 30 Euro ohne Deal und einem Diskontsatz von 6 bis 8 Prozent ergibt sich eine implizite Erfolgswahrscheinlichkeit von rund 75 bis 90 Prozent. Das ist eine vereinfachte Rechnung mit eigenen Annahmen, kein Marktkonsens.

4. Risks

Das grösste Risiko ist nicht die Annahme des Angebots, sondern die Genehmigung durch die EU-Kommission. Die Einstufung in der Spalte „Gewicht“ ist unsere eigene Einschätzung.

RisikoGewichtWarum es zählt
EU-FusionskontrolleHochDie EU-Kommission muss zustimmen. Sie hat Delivery Hero und Glovo im Juni 2025 wegen eines Kartells mit 329 Mio. Euro gebüsst (EU-Kommission [16]) und grosse Minderheitsbeteiligungen am Wettbewerber zuletzt zweimal beanstandet (Dr. Web [17])
Struktur mit SSW PartnersHochBerenberg erwartet, dass die Kommission SSW wahrscheinlich nicht als geeigneten Käufer der 14 Märkte akzeptiert. SSW dürfte die Geschäfte weiterverkaufen, und Uber finanziert den Kauf per Darlehen. Prosus gilt als möglicher Käufer einzelner Märkte (Börsen-Zeitung [5])
Zeit bis zum VollzugMittelDer Vollzug ist erst für das zweite Halbjahr 2027 geplant. Bis dahin bleibt der Kurs unter dem Angebot, und Delivery Hero muss weiter eigenständig geführt werden
Synergien und IntegrationMittelDie 1,2 Mrd. USD in 18 Monaten sind nicht aufgeschlüsselt. Ohne Beherrschungsvertrag für drei Jahre ist die Steuerung eingeschränkt. CEO Niklas Östberg bleibt entgegen früherer Pläne im Amt, sein Vertrag läuft bis 30. April 2029 (awp [18])
Operative Entwicklung von Delivery HeroMittelDas Unternehmen erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026 einen negativen Free Cash Flow, und der Nettoverlust im ersten Halbjahr bleibt hoch (Quartr [8])
Finanzierung von UberNiedrig bis mittelDie Brückenfinanzierung von rund 14 Mrd. Euro muss vor Vollzug refinanziert werden. Uber will unter 2x Bruttoverschuldung bleiben
AnnahmequoteNiedrigUber hält 24,77 Prozent der Stimmrechte, Prosus sagt 16,68 Prozent zu. Es fehlen noch gut 8,5 Prozentpunkte bis zur Mehrheit

Wenn der Deal scheitert

Scheitert der Deal an kartellrechtlichen Auflagen, muss Uber 700 Mio. Euro zahlen. Offen ist, was dann mit der Beteiligung von rund 37 Prozent (inklusive Derivaten) geschieht. Auch der Verkauf an SSW Partners fällt weg, weil er an den Vollzug des Angebots gebunden ist.

Zu beobachten: Anmeldung bei der EU-Kommission, Annahmequote nach dem 5. November 2026, Käufer für die 14 Märkte, Zahlen für das dritte Quartal 2026.

5. Post-Merger Outlook

Bei Erfolg entsteht eine Plattform mit 99 Märkten und 236 Mrd. USD Gross Bookings (2025, pro forma). Nach Medienberichten [4] würden aus vier grossen westlichen Lieferdienst-Konzernen drei, vermutlich Uber, DoorDash und Prosus mit Just Eat Takeaway.

SzenarioWas passiertFolge
Vollzug wie geplantDie EU-Kommission genehmigt, möglicherweise mit anderen Käufern für die 14 Märkte. Vollzug im zweiten Halbjahr 2027Die Synergien von über 1,2 Mrd. USD sollen 18 Monate nach Vollzug erreicht sein, also ab 2029. Uber erwartet ab Vollzug einen positiven Effekt auf das Non-GAAP-EPS
Vollzug mit höheren AuflagenDie Kommission verlangt andere Käufer oder weitere MärkteVerzögerung des Vollzugs, der Spread zum Angebot bleibt. Ein Käufer wie Prosus könnte Märkte in Europa und Lateinamerika übernehmen
ScheiternDie Freigabe wird verweigertUber zahlt 700 Mio. Euro. Delivery Hero bleibt eigenständig, mit angehobener Prognose für 2026

Zu den 14 Märkten gehören Österreich, Tschechien, Norwegen, Schweden, Griechenland, Zypern, Polen, Portugal, Rumänien, Moldawien, Spanien, die Türkei, Chile und Ecuador. Für die DACH-Region ist vor allem Österreich relevant.

Fazit

Der Deal ist strategisch nachvollziehbar, weil Uber mit Delivery Hero viele Märkte ergänzt, in denen die eigene Lieferplattform schwach ist. Der Preis ist mit rund 17x EBITDA hoch und funktioniert nur mit den angekündigten Synergien. Die Annahme des Angebots ist wegen Prosus und Ubers Anteil kaum gefährdet. Entscheidend ist, ob die EU-Kommission die Struktur mit SSW Partners akzeptiert. Die Marktpreise deuten darauf hin, dass Investoren den Vollzug für wahrscheinlich, aber nicht für sicher halten.

Quellen

Die Zahlen in eckigen Klammern verweisen auf die Quellen unten. Unternehmenswert, Multiples, Spread und Wahrscheinlichkeit sind eigene Rechnungen auf Basis dieser Quellen.

  1. Börsen-Zeitung, Angebot startet
  2. Uber, Announcement of Acquisition of Delivery Hero (Präsentation, 16. Juli 2026)
  3. Uber veröffentlicht Angebotsunterlage (EQS, 27. August 2026)
  4. Trending Topics, Genehmigungen und SSW Partners
  5. Börsen-Zeitung, Kartellhürden (27. August 2026)
  6. Delivery Hero, Ad-hoc-Mitteilung vom 23. Mai 2026
  7. Delivery Hero, Ad-hoc-Mitteilung vom 14. Juli 2026
  8. Quartr, Halbjahreszahlen 2026
  9. Delivery Hero, Mitteilung zu Halbjahr und Prognose 2026
  10. BigGo, Überschneidungen in EU-Märkten
  11. Verdict, Uber erhöht Beteiligung
  12. Delivery Hero, Zahlen 2025 (Yahoo Finance)
  13. DoorDash und Deliveroo (SEC-Dokument)
  14. Prosus, Übernahme von Just Eat Takeaway
  15. Der Standard, Kursentwicklung im Mai 2026
  16. EU-Kommission, Kartellentscheid Delivery Hero und Glovo (2. Juni 2025)
  17. Dr. Web, Kartellrisiko
  18. awp, Östberg bleibt CEO